WÜTENDER LORIOT

Heute mal direkt aus dem Hamburger Leben auf der Straße und nicht aus den Katzen-Hinterhofgeschichten gegriffen.

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Die Hamburger wurden in den letzten Wochen vom wechselhaften Wetter noch ärger gebeutelt als sonst.

Das Wetter ist übrigens unser Lieblingsthema, denn meist gibt es was zu meckern. Und was wäre der Deutsche ohne das Meckern und eine latente Unzufriedenheit ( jetzt habe ich mal die Keule der Verallgemeinerung und Plattitüden ausgepackt – und dabei habe ich gestern gerade jemanden dafür kritisiert. Naja, wat solls. Is halt so schön einfach.)

Zurück zur Geschichte.
Steige in den Bus am frühen Morgen, die Temperatur liegt bei 31 Grad und 98% Luftfeuchtigkeit (a.k.a. brüllende Hitze). Die Klimaanlage im Bus ist nicht an.
Die von den Ausdünstungen meiner Mitmenschen geschwängerte Luft sucht sich behände seinen Weg in die Lungen und benetzt meine Haut.

Jetzt gibt es mehrere Optionen: a) einfach still vor sich hin leiden, b) Busfahrer freundlich ansprechen, c) seinem Unmut Luft machen und eine Revolte im Bus starten, d) aussteigen und mit dem Fahrrad fahren (ist eh gesünder).

In Anbetracht der Uhrzeit – und ohne Kaffee intus – entschied ich mich für Option a).
Man kann über Situationen ja auch noch später meckern (ich bin zum Teil auch deutscher Abstammung und habe dem Mecker-Gen noch nicht entsagen können).
Vorteil des Mecker-Aufsparens ist es, dass man später garantiert immer ein Thema-wenn-man-nix-zu-erzählen-hat für die Küchengespräche in der Firma beisteuern kann.

Nach einigen Minuten stillen Leidens (auch Teil der Option a) kam eine Dame mittleren Alters, Gewichts und deutschen Sprachkenntnissen nach vorne zur Busfahrerin.

Prolog:
Dame mit französischem Akzent (DmfA) schnackt die schlecht gelaunte Busfahrerin (sgB) an (trotz dickem Warnschild: „Fahrer nicht von der Seite anquatschen, klar?.“

Dialog:

DmfA: „Das ist ja nicht auszuhalte‘. Die Klimaanlage, ist sie kaputt?

sgB: „Nee, die is nich an.

DmfA: „Wie bitte. Sie ‚aben sie aus gemacht?

sgB: „Ja, dat war vorher so eisig hier.

DmfA: „Wollen Sie, dass wir sterben ‚ier drin?

sgB: „Sach mal, bist du taub, dat war hier eisig kalt. Da kam der halbe Bus, um sich zu beschweren.

Dmfa: „Ich sehe, solange es gut Ihnen geht, ja, das seh‘ ich, dann Ihnen sind die Gäste egal. Wir sterben ‚ier.“ (reisst sich dramatisch am Blusenkragen und röchelt)

sgB: „Jetzt schwell mal ab.“ (sgB macht die Klimaanlage an.)

Ein antarktischer Wind fegt durch den Bus. Jedwede Feuchtigkeit kristallisiert in Sekundenbruchteilen.

DmfA: „Ah, jetzt Sie machen die Anlage an. Endlich Sie machen Ihren Job.

sgB: „Was willste denn damit sagen. Meinste etwa ich mach meinen Job nich richtig? Komm her und sach mir dat ins Gesicht.“

DmfA: (wendet sich ab und murmelt) „So eine Unverschämtheit.“

sgB: „Was sachste da? Meinste ich krieg‘ hier Geld wie Heu für den Job?

DmfA: „Du wirst bezahlt gut genug!!!

sgB: „Ach, und wenn du hier ein Ticket für 2,40 Euro löst is Champagner an den Sitzplatz mit inbegriffen? Gib mir 20 Takken, dann kriegste jeden Service, du —–pieeep —-…

An dieser Stelle stieg ich aus.

Schade, das Ende der Konversation hätte ich gerne mitbekommen.

Wie sagte Loriot so schön: Die besten Geschichten schreibt immernoch der Öffentliche Nahverkehr.

Fortsetzung folgt sicherlich, denn ich fahre selten Rad und leide in Anbetracht der Gegner lieber schweigend vor mich hin. Das Temperament unserer Hamburger Busfahrerinnen bei hohen Temperaturen ist hinreichend bekannt.

M3LA

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2 Gedanken zu “WÜTENDER LORIOT

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